Projekt Nr. 20
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Der Zeichnungsgenerator  –   Gespräch: Diana Dietz / Hannes Kater
Teil 3
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Material:
- Ausstellungskonzept
- Rundgang durch die Ausstellung
- Die Räume von Hannes Kater
Gespräche zur Ausstellung mit:
Bjørn Melhus (2. Künstler der Show)
Diana Dietz (Assistenz)
Silke Boerma (Kuratorin)
Armin Chozinski (Helfer)
Gabriele Mackert (Katalogautorin)
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Zusammenarbeit III
Entsprechung
H: Bei diesen Korrekturterminen mit Silke Boermer…
D: Ja. Und die Frage, soll man das nehmen, soll man da vorab schon mal was korrigieren oder nicht, usw. Also da merkte ich schnell, als ich mich reinwühlte, daß ich dann schon wieder gedacht habe, jetzt korrigiere ich das mal eben gleich mit, dann ist das ein Aufwasch. Wo ich dann aber auch ziemlich schnell gesagt habe, nee, quatsch, wird ja sowieso weitergereicht und dann soll sie das halt auch machen und peng, man kann damit ja gar nichts verkürzen, weil sie das ja sowieso lesen muß.
   Meinem Gefühl nach entwickelte sich der Umgang mit den Aufträgen dann auch sehr gut, angefangen damit, daß ich zunehmend sicherer geworden bin, was man mit den Auftragstexten macht. Ich hatte da natürlich erst wieder nach einer Theorie, einer Art Schablone gesucht, die dann immer, in Abwandlung zwar, angelegt werden könnte, wie von wegen: kein Satz darf da rausgenommen werden, oder es darf nicht verkürzt werden und wenn, dann nur in dem und dem Fall und so. Und dann wurde ich zunehmend lockerer und ich finde, das kann man auch sehen am Schluß, daß man da wirklich letztlich recht intuitiv mit umgegangen ist und daß das dann auch eine
Entsprechung war zu deiner sonstigen Arbeitsweise. Das fand ich noch sehr schön.


Zusammenarbeit IV
feeling
H: Also wenn ich mich zurückerinnere, war das auch wirklich sozusagen die Aufgabe, die mir am klarsten war vorher für dich. Also daß ich dich dafür haben wollte. Weil ich das Gefühl hatte, daß ich das parallel nicht mehr bewältigen kann und auch eigentlich nicht mag. Und daß ich da, ähnlich wie mit der Katalogvorbereitung vor der Ausstellung, daß ich da heißlaufe und dann steckenbleibe.
   Die Flasher waren zwar recht früh gesetzt, aber die eigentliche Entwicklung zu den Flashern war ja eine andere. Ursprünglich war ja einfach nur die Sehnsucht da, die Flasher einzusetzen als Haltung, als Position.
Die erste Idee für den Raum (Saal 7) sah ja vor, daß Zeichnungen an der Wand – wie auch immer – auftauchen und die Flasher nur eine Verdichtung bringen sollten. Und dann, einfach weil der Raum so war, wie er war, war sehr schnell klar, daß die Flasher nur zwischen die Fenstern kommen können, kommen müssen.
Dass sonst gar keine weiteren Zeichnungen gezeigt wurden, das war ja eine Entwicklung, ein schrittweiser Rückzug... All das Rumprobieren , also groß, klein, irgendwie an die Wand, mit Text, ohne Text, oder… Ich fand es schon ein bißchen nervig, aber es wurde nicht leidvoll.
D: Und es war nicht der Punkt, an dem ich war. Ich kann mich noch erinnern, dass, als dann auch der Armin kam, wir so auf dem Boden saßen und die Gestaltung der Flasher diskutiert haben.
H: Ja, wir haben da verschiedenes ausgetestet…
D: Und das klappte ganz gut. Von daher glaube ich, daß ich da noch näher an dem dran war, was ja auch meine Aufgabe war, und daß die Frage, ob jetzt noch weitere Zeichnungen im Raum auftauchen und wie… daß du da, glaube ich, mehr mit beschäftigt warst und da auch mehr… mit der Hand und mit den Auftragskärtchen und so… gekuckt hast.
   Was ich meine, daß man wirklich erst immer schrittweise ein
feeling entwickeln mußte, zunächst für den Umgang nur mit diesen Texten, dann mit den einzelnen Zeichenaufträgen als Einheit von Text und Zeichnung, und schließlich einen Gesamtumgang mit dieser Auswahl an Aufträgen, die zwar recht „lose" und intuitiv war, aber in den Flashern doch sehr dicht zu stehen kam. Ich weiß nicht, das kann ja durchaus nur auf meiner Seite gewesen sein, weil ich die vielleicht auch öfter einfach so weggelesen, öfter gesehen habe, so als Einheit und Zusammenstellung auch. Während du die eher, glaube ich, einzeln, bis dahin auch über einen langen, langen Zeitraum, wenn die dann eingetroffen sind, gesehen hast, das ist ja auch ein ganz anderer Hintergrund für dich. Und du hast so auch die Zeichnungen gemacht. Ich hatte nur das fertige Material und war da nur am Ordnen, so als Einheit. Das ist was anderes, glaube ich. Und das soll es ja auch sein. Ich glaube, ich hatte es auch einfach leichter, damit umzugehen. Aber genau da hatte ich schon bei dir die größte Hilflosigkeit auch gespürt und auch ein bißchen: mach` damit, was du willst, das ist mir egal! (Lachen)
H: Ja, genau dafür warst du engagiert!


Zusammenarbeit V
Balance
D: Jaja. Das habe ich, glaube ich, voll begriffen und akzeptiert und so soll das ja auch sein. Abgesehen davon, daß das auch eh immer ein Thema ist, wo du immer noch mal eine wirkliche Position suchst. Aber am Anfang war es dann trotzdem wichtig, auch wenn es ausgerechnet bei so ganz trivialen Sachen ansetzte, von wegen: Hannes, meinst du, wir können das Komma da jetzt weglassen? Aber es war schon für mich notwendig, in irgendeinen Dialog zu treten, um darüber selber ein feeling zu kriegen. Sonst hätte ich das auch nicht entwickeln können. Und das ging ja dann auch. Das war ja dann auch nicht weiter wichtig, ob du jetzt übermüdet sitzt und: mhm, mach` sich Gedanken über das Komma. Aber das mußte schon auch sein. Und wenn es nur immer wieder die Wiederholung war von wegen: weiß ich jetzt auch nicht. (Lachen)
Also das als eigene Entwicklung innerhalb des Ganzen fand ich für mich sehr schön. Einschließlich dessen, im Morgengrauen, als dann die Presse kommen sollte, und die Zeichnungen plus Text wirklich konkret da drin landeten, war es für mich einfach absolut stimmig. Hätte ich nicht gedacht. Da gab es noch mal so ein Leuchten oder einen Kick, der das Vorher noch mal toppte.
H: Na, du warst so ein bißchen am Nölen wegen der Deckblätter, oder?
D: Ach so…ja. Aber das war nicht so wichtig.
H: Aber es hatte eine hohe Stimmigkeit, ja.
D: Und insgesamt, ich kann das nur noch mal wiederholen, das war ja auch das erste und bislang einzige Mal, wo alle Bedingungen für mich scheinbar so optimal waren und alles so ineinander gegriffen hat. So ein Gleichgewicht zwischen einer Gelassenheit dann doch und trotzdem einer Konzentriertheit. Sowohl inhaltlich, wenn es um die Räume konkret ging, als auch in der Zusammenarbeit mit dir. Oder auch das Persönliche. Immer auch ein energetischer Wechsel, dieser Rhythmus, nachdem man gearbeitet hatte, setzte man sich einmütig ins Taxi, um dann gemeinsam wieder ansetzen zu können. Das war schon in einer recht guten Balance, finde ich.


Zusammenarbeit VI
sich bereithalten
H: Mhm. Was mich noch mal interessiert: du beschreibst, daß wirklich eine Offenheit da war. So wie du das beschreibst, klingt das ja sehr positiv.
D: Ja.
H: Es kann ja auch eine Offenheit geben, die konturlos ist – das meinst du nicht?
D: Nein.
H: Und hat diese Offenheit auch noch was mit Suchen zu tun? Oder mit Forschen?
D: Jaja, klar. Also wenn du jetzt „konturlos" sagst, könnte man spekulieren…
H: Also es ist keine spekulative Offenheit, sondern eine suchende Offenheit.
D: (ächzt) Ich hänge jetzt an diesem Wort „konturlos"…da war schon etwas – und das verbinde ich ja mit dem Wort „Suche" natürlich - wo man noch nicht so eine klare Linie hatte. Das fand ich aber trotzdem sehr konstruktiv und sehr spannend einfach, daß du für dich selbst ja an einem Punkt warst, wo ich gedacht habe, du willst jetzt auch irgendwie gar nichts mehr wiederholen, was du vielleicht schon oft erlebt hast. Daß du da natürlich auch ein Stück weit manchmal ratlos warst. Aber ich finde, du bist damit auch dann schon sehr gut umgegangen. Du hast einfach dieses Suchen oder dieses erst mal Weggehen von dem Anderen spürbar gemacht, auch so gehalten. Also weder es zudecken wollen, noch… ich meine, es hat dich bestimmt nervös gemacht, aber ich finde, du hast es halten können.
H: Ja, mir ging es auch relativ gut damit. Das war nicht so das Problem. Inzwischen denke ich, dass ich da ein Talent habe - ich könnte in und mit Gruppen arbeiten, wo meine Aufgabe wäre, genau das zu halten. Das auszuhalten. Den Leute zu den Eindruck zu vermitteln, dass alles nach Plan läuft?
D: Und „Suchen" ist ja immer so dieser Begriff, der mir auch schon fast wieder zu aktiv ist. So habe ich das auch nicht erlebt. Sondern eher, ja, um etwas zu empfangen auch, dazu muß man sich bereithalten; auch in gewisser Weise „aktiv" bereithalten, aber das ist nicht so ein Suchen wie ein Trüffelschwein: Hilfe, wo geht es jetzt lang.
H: Wenn es einmal halbwegs läuft, dann habe ich auch ein relatives Gottvertrauen, daß alles sich vernünftig entwickelt. Daß alles zur rechten Zeit dann auch so ist, wie es sein sollte. Und wenn es nicht da ist im gesetzten Zeitrahmen, dann macht das auch wieder Sinn, daß es nicht da ist. Dann ist es auch richtig so, daß es nicht da ist. Also wenn sich so was einstellt, dann ist das immer was sehr Beglückendes, dann vertraue ich da auch sehr drauf, daß alles klappt.
D: Mhm.


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